Drei Jahre CrossFit (als normaler Mensch)

goodguycrossfitVor ein paar Monaten habe ich hier mal aufgeschrieben, welche Veränderungen sich in meinem Leben nach einen halben Jahr CrossFit-Training eingestellt haben. Das waren so einige. Jetzt bin ich mittlerweile seit fast dreieinhalb Jahren dabei, mindestens zwei mal die Woche CrossFit zu trainieren. Zieht man Urlaube und krankheitsbedingte Pausen ab, komme ich auf ziemlich runde drei Jahre Trainings-Erfahrung. Die fasse ich hier mal zusammen.

(Und wie man an dem Part »mindestens zwei mal die Woche« merkt, ist das der Blick eines normalen Menschen aufs CrossFit-Training. Ich bin kein Hardcore-Athlet, der sechs mal die Woche trainiert und nur noch Menschen aus seiner Box kennt. Ich würde sogar soweit gehen, dass CrossFit nicht die Top-Priorität in meinem Leben hat …)

Meine Erfahrungen nach drei Jahren CrossFit (als normaler Mensch)

1. Niemand interessiert sich für Deinen neuen 1RM.

Sad but true. Selbst die Leute, mit denen Du zusammen trainierst, werden sich nicht so sehr für Deinen neuen PR im Backsquat interessieren wie Du selbst. Klar, sie freuen sich mit Dir, wenn sie dabei sind. Aber allen anderen musst Du das wirklich nicht auf die Nase binden. Erst recht nicht außerhalb Deiner Box. Und falls Du doch mal wieder ein bisschen angeben willst, denk dran, dass Gabriela Migala 17 Jahre alt ist und bei den Games 2016 einfach mal 210lbs. gecleant hat.

2. Dein Musikgeschmack verändert sich.

Natürlich gibst Du es nicht zu, aber so ein bisschen Dubstep im langen WOD oder der neuste Trap-Shice von Lil Jon ist schon ganz cool. TURN DOWN FOR WHAT?!

3. Dein Facebook-Feed ist voller halb-nackter Männer.

Seriously … sobald Du auch nur drei CrossFit-bezogene Seiten auf Facebook geliket hast, wird es schwierig zwischen Deiner Timeline, Planet Romeo und dem Online-Angebot der Playgirl zu unterscheiden.

4. Du hast Deine Box gewechselt.

Du ziehst um, Deine alte Box macht zu, eine box-interne Beziehung geht unschön zu Ende – Gründe für einen Box-Wechsel gibt es viele. Und es wird hart. Du lässt einen großen Kreis guter Freunde zurück. Du verlässt den Ort, an dem Du das erste mal (fast) bewusstlos geworden bist, als Du einen Deadlift über 100kg gezogen hast. Du verabschiedest Dich von der Mischung aus Schweiß, Kreide und Dreck, der Dir über die Zeit so ans Herz gewachsen ist … und in Deiner neuen Box sind erstmal andere Menschen, die WODs laufen irgendwie anders und dann erlaubt sich Dein neuer Coach auch noch Deinen Backsquat zu kritisieren! WHAT?!

Nach ein paar Wochen merkst Du dann aber, dass Du auch in der neuen Box über Deine Grenzen gehen kannst, die neuen Leute sind eigentlich auch ganz nett , eine saubere Box hat auch seinen Reiz und der Backsquat … der war auch wirklich nicht gut.

Ganz ehrlich: so ein Wechsel kann unglaublich wertvoll für die Weiterentwicklung sein. Denn … expect the unexpected!

5. Es geht einfach nicht weiter.

Stagnation. Plateaus. Hitting the wall. Irgendwann kann es leider nicht immer so weiter gehen wie im ersten Jahr. Da purzeln die PRs ja fast wöchentlich. Technikverbesserungen führen dazu, dass Du mal so eben 10kg im Press drauf legst. Wenn das nur immer so einfach wäre … ich freue mich, wenn ich im ganzen Jahr 10kg im Press zulegen kann. Und 2016 wird das schon mal eine knappe Angelegenheit.

Aus meiner Erfahrung das beste, um damit umzugehen: kurz mal analysieren, ob das eigene Training dazu geeignet ist, sich regelmäßig weiter zu entwickeln. Jede Woche vier Hero-WODs sind vielleicht nicht ideal, um für den Muskelaufbau genügend Rest Days zu bekommen. Auch mal ein paar Wochen alles etwas langsamer angehen. Und Schwächen gezielt trainieren. Wenn das alles nichts hilft … auch mal hinnehmen, dass es nicht immer nur bergauf geht, trotzdem weiter machen, Spaß haben. Dann klappt’s auch mit den Gainz!

6. Du hast eine Meinung zum Hook-Grip.

Und sie lautet: JA, IMMER!

7. Du erkundest fremde Städte als CrossFitter.

Städtetrip nach New York? Erstmal checken, welche Boxen unbedingt besucht werden müssen. Souvenirs aus dem letzten Urlaub? T-Shirts von drei verschiedenen Boxen!

Das klingt jetzt vielleicht erstmal übertrieben. Im Urlaub kannst Du doch mal auf den Sport verzichten! Und da sage ich nur: Nö, nach der ganzen Zeit gehört CrossFit oder einfach Sport im ganz Allgemeinen einfach so zu Deinem Leben und macht so viel Spaß, dass Du natürlich auch im Urlaub darauf Lust hat. Und hier kommt der Community-Gedanke beim CrossFit besonders zum Tragen … bei einem Training in einer fremden Box kommst Du automatisch mit ganz normalen, gleichgesinnten Menschen in Kontakt, die in der Ecke leben, in der Du gerade Urlaub machst. Besser geht es gar nicht! Ich habe über Empfehlungen von anderen CrossFittern meinen Lieblingscafé in NYC, einen großartigen Burger in Peking und verdammt gutes BBQ in Charleston, South Carolina gefunden. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Brooklyn CrossFit, Middle Kingdom CrossFit (hat wohl leider zu gemacht) und CrossFit Discovery.

(PS: Middle Kingdom CrossFit war so ziemlich die lustigste Box bisher. Mitten in Beijing, im Untergeschoss eines Einkaufszentrums. Etwa 100qm großes Eck-Ladengeschäft. Links davon ein chinesisches Restaurant, rechts ein Friseur. Wir haben mittendrin Burpees und Double Unders gemacht. Und Duschen gab’s in den Angestellten-Umkleiden der Mall. Sowas erlebst Du eben nur, wenn Du als CrossFit-Touri unterwegs bist!)

8. Du hast diverse Supplements probiert.

Proteinshakes. Muss natürlich sein. Maximal 30 Minuten nach jedem Training. Sonst: ALLE GAINZ LOST! 

(Und wenn Du ganz ehrlich bist, geht’s eigentlich nur um den leckeren Shake-Geschmack, den Du so irgendwie in Deine Ernährung reinschummeln kannst.)

Kreatin, Vitamin D,  Fischöl, Magnesium, Koffein … kann man ja alles mal machen. Muss man aber nicht. Ich bin bei Weitem kein Experte auf dem Gebiet, aber für mich hat noch kein Supplement eine so gravierende Veränderung gebracht, dass es mir Wert ist, dafür regelmäßig Geld auszugeben. Dann lieber auf die neuen Reebok Nanos / Nike MetCons sparen.

9. Morgen klappt der Muscle-Up!

… und zwar ganz bestimmt. (Und das habe ich gestern auch schon gesagt.)

10. Du warst schon mal fitter.

Ja, auch das gehört dazu … Du stellst zwischendrin fest, dass Dein Deadlift schon mal stärker war. Oder dass Du weniger strikte Klimmzüge schaffst als letztes Jahr. Und dafür gibt es viele Gründe: Krankheit, falsche Ernährung, Overtraining … oder auch einfach die Tatsache, dass CrossFit nicht immer die Priorität Nummer 1 in Deinem Leben spielt. Und ganz ehrlich: Das ist auch gut so!

Wenn Du, wie ich, nach so langer Zeit, immer noch jede Woche mit Spaß zum Training gehst, dann ist das einfach ein Teil Deines Lebens geworden. Und das Leben unterliegt eben regelmäßigen Schwankungen. Mal ist Dein Privatleben wichtiger, mal der Job, mal hast Du 100% Fokus auf Dein Training. Ganz egal … wichtig ist nur: Weitermachen!

Und als kleiner Zusatz:

10. Du kannst immer noch nicht richtig zählen …

… siehe hier, Punkt 9. 


Wie sehen Deine CrossFit-Erfahrungen aus? Gibt’s was, was ich vergessen habe? Ich freu mich über Deinen Kommentar!

 

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